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Der digi­ta­le Geldbeutel

Die Digi­ta­li­sie­rung ver­än­dert nicht nur das Kauf­ver­hal­ten der Men­schen, sondern auch das Bezah­len. Die Nord­eu­ro­pä­er machen es uns vor.

Scheine und Münzen findet man schon lange nicht mehr in den Taschen der Skan­di­na­vi­er. Dafür eher Bank- und Kre­dit­kar­te sowie Smart­pho­ne. In Deutsch­land sind wir noch nicht so weit, aber jetzt kommt auch hier der Stein ins Rollen.

Egal, ob per Smart­pho­ne oder per Karte – bar­geld­lo­ses Bezah­len und Bargeld abheben wird auch in Deutsch­land immer belieb­ter. Der Handel stellt sich ent­spre­chend darauf ein.

Wohin die Ent­wick­lung geht, ver­ra­ten uns der Vor­stands­vor­sit­zen­de der BBBank, Prof. Dr. Wolf­gang Müller, und Christ­hard Deut­scher, Leiter Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on Edeka Südwest.

Die Deut­schen sind dafür bekannt, dass sie gerne Bargeld mit sich führen.

Müller: Das ist wahr. Im euro­päi­schen Ver­gleich sind wir Spit­zen­rei­ter. In den Geld­beu­teln der Bun­des­bür­ger befin­den sich durch­schnitt­lich 107 Euro. In der Euro­zo­ne sind es 65 Euro. Wir beob­ach­ten, dass wir uns in Deutsch­land dem euro­päi­schen Niveau langsam annähern.

Der digi­ta­le Wandel macht also auch vor der deut­schen Liebe zum Bargeld nicht halt. Heißt das, bar­geld­lo­se Zah­lungs­me­tho­den werden immer beliebter?

Deut­scher: Wir merken seit Langem einen Wandel im Kun­den­ver­hal­ten. Die Zahl der Bar­zah­ler ist spürbar zurück­ge­gan­gen. Deut­lich erhöht hat sich der Anteil der Kartenzahlungen.

Müller: Bei unseren Mit­glie­dern haben die Bank­kar­te und die Kre­dit­kar­te einen festen Platz im Geld­beu­tel. Während man die Karte früher eher zum Abheben von Bargeld am Geld­au­to­ma­ten ein­setz­te, nutzt man sie mitt­ler­wei­le zum bar­geld­lo­sen Bezah­len beim Händler. Deutsch­land­weit sind heute übri­gens mehr Bank­kar­ten im Umlauf, als es Bun­des­bür­ger gibt.

Welche Alter­na­ti­ven zum Bargeld gibt es und welche Trends sehen Sie?

Müller: Das mobile Banking ist für die meisten unserer Kunden selbst­ver­ständ­lich gewor­den. Über­wei­sun­gen werden kaum noch per Hand aus­ge­füllt. Bereits drei Viertel unserer Kunden erfas­sen ihre Zah­lungs­auf­trä­ge online, ob zu Hause vom PC oder unter­wegs mit Tablet oder Smart­pho­ne über die BBBank App. Nicht zu ver­ges­sen ist auch der Online-Handel. Im Inter­net ein­zu­kau­fen geht schnell und ist einfach. Mit dem Bezah­len verhält es sich genauso. Hier sind Bezahl­mög­lich­kei­ten mit Bank- und Kre­dit­kar­te oder Bezahl­diens­te wie Paydi­rekt und Paypal gängige Praxis. Groß im Kommen ist die soge­nann­te Near Field Com­mu­ni­ca­ti­on (NFC). Das bedeu­tet, dass Beträge bis 25 Euro kon­takt­los und ohne Geheim­zahl bezahlt werden können. Der Kunde muss seine Bank- oder Kre­dit­kar­te dabei nicht aus der Hand geben. Sie wird einfach ganz nah an das Gerät beim Händler gehal­ten. Das ist eine bequeme Alter­na­ti­ve zu Münz­geld. Fast 80 Prozent der Bun­des­bür­ger besit­zen ein Smart­pho­ne. Daher dürften auch Zah­lun­gen per Smart­pho­ne in Zukunft stark zuneh­men. Diese funk­tio­nie­ren eben­falls über NFC oder über spe­zi­el­le Apps. Die BBBank wird diese Vari­an­te des mobilen Bezah­lens künftig eben­falls anbieten.

Deut­scher: Auch wir reagie­ren auf das ver­än­der­te Kun­den­ver­hal­ten. Wir haben moderne Bezahl­ter­mi­nals. Hier können unsere Kunden unter meh­re­ren Bezahl­mög­lich­kei­ten wählen: Bargeld, Bank­kar­te oder Kre­dit­kar­te. Bald wird auch das Bezah­len über unsere Edeka-App mit dem Smart­pho­ne möglich sein.

Sind elek­tro­ni­sche Zah­lungs­mit­tel eine sichere Lösung für die Kunden?

Müller: Ja, das ist so. Wenn man Bargeld ver­liert oder es gestoh­len wird, ist es weg. Das kann bei bar­geld­lo­sen Zah­lungs­me­tho­den nicht pas­sie­ren. Aus vielen Gesprä­chen mit unseren Kunden wissen wir, dass ihnen Sicher­heit im Zah­lungs­ver­kehr und damit auch bei den Bezahl­vor­gän­gen ganz wichtig ist. Das wird auch durch Studien der Bun­des­bank belegt. Für die BBBank hat Sicher­heit natür­lich auch oberste Prio­ri­tät. Wir bieten unseren Mit­glie­dern eine Inter­net-Sicher­heits­ga­ran­tie. Die Daten der Bank- und Kre­dit­kar­te werden bei jedem Einkauf elek­tro­nisch über­prüft. Beim kon­takt­lo­sen Bezah­len (NFC) werden alle Infor­ma­tio­nen ver­schlüs­selt. Per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten werden beim NFC-Bezahl­vor­gang nicht ausgetauscht.

Welche Vor­tei­le von bar­geld­lo­sen Zah­lun­gen nehmen Sie wahr?

Deut­scher: Allen voran steht die schnel­le und sichere Zah­lungs­ab­wick­lung. Kar­ten­da­ten werden elek­tro­nisch erfragt und es muss kein Bargeld mehr auf Echt­heit geprüft werden. Ein wei­te­rer Vorteil ist der gerin­ge­re Bar­geld­be­stand in unseren Märkten.

Müller: Die Kunden haben bei bar­geld­lo­sen Zah­lun­gen eine hohe Trans­pa­renz. Sie können in unserer BBBank App zum Bei­spiel laufend ihren Kon­to­stand kon­trol­lie­ren. Und mit dem elek­tro­ni­schen Finanz­ma­na­ger in der App behal­ten sie stets den Über­blick über ihre Ausgaben.

Zu welchem Zah­lungs­mit­tel greifen Ihre Kunden am liebsten?

Deut­scher: Das vari­iert und kommt auf die Höhe des Ein­kaufs­be­tra­ges an. Obwohl wir eben­falls beob­ach­ten, dass ver­mehrt auch Kleinst­be­trä­ge mit EC-Karte bezahlt werden.

Welche Zah­lungs­mit­tel emp­feh­len Sie?

Müller: Ich glaube, es macht schon noch Sinn, immer ein wenig Bargeld dabei­zu­ha­ben. Wir raten aber grund­sätz­lich zur Bank­kar­te und zur Kre­dit­kar­te. Während die Bank­kar­te nahezu überall in Deutsch­land und Europa ein­ge­setzt werden kann, eignet sich die Kre­dit­kar­te zum Bezah­len im außer­eu­ro­päi­schen Ausland und im Inter­net. Bei der gol­de­nen Kre­dit­kar­te sind zudem noch umfang­rei­che Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen ent­hal­ten, wie zum Bei­spiel die Ver­kehrs­mit­tel-Unfall­ver­si­che­rung und die Aus­lands­rei­se-Kran­ken­ver­si­che­rung. Beson­de­rer Vorteil bei unserer VISA Gold­kar­te ist die Rei­se­rück­ver­gü­tung in Höhe von derzeit sieben Prozent bei Buchung mit der Karte und über unser Rei­se­por­tal auf der Home­page unserer Bank.

Deut­scher: Ich denke, dass es auf den rich­ti­gen Mix ankommt. Daher bieten wir in unseren Märkten auch eine Auswahl an Zah­lungs­ar­ten an. Sogar Bargeld können unsere Kunden inzwi­schen an unseren Kassen in teil­neh­men­den Märkten von ihrem Konto abheben. Wir bieten diesen Service ab einem Ein­kaufs­wert von 20 Euro bei Bezah­lung mit der Bank­kar­te an. So können unsere Kunden über bis zu 200 Euro Bargeld kos­ten­los verfügen.

Müller: Diese Vari­an­te der Bar­geld­ver­sor­gung bringt auch für unsere Kunden einen großen Vorteil. Sie können nämlich den Einkauf mit dem Bar­geld­ab­he­ben ver­bin­den und müssen nicht erst einen Geld­au­to­ma­ten suchen. So können wir unseren Kunden die Bar­geld­be­schaf­fung an vielen wei­te­ren Stand­or­ten ermög­li­chen. Und das kostenlos.

Personenbild

Pro­fes­sor Dr. Wolf­gang Müller

ist seit 1999 Vor­stands­mit­glied der BBBank und seit 2002 Vor­sit­zen­der des Vor­stands. Er ver­ant­wor­tet im Bank­vor­stand die Berei­che Tre­a­su­ry, Per­so­nal, Unter­neh­mens­ent­wick­lung, Vor­stands­stab, Orga­ni­sa­ti­on und IT. Er ist seit 2003 Lehr­be­auf­trag­ter an der Uni­ver­si­tät Karls­ru­he und seit 2011 Hono­rar­pro­fes­sor am Karls­ru­her Insti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT).

Personenbild

Christ­hard Deutscher

Leiter Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on Edeka Südwest

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Bild­nach­weis: Donald Iain Smith/Gettyimages

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